Liebe Blog-Leser,

der Vollständigkeit halber poste ich hier noch mit fast einem Jahr Verspätung den Reisebericht zu meinem zweiten Elternzeitmonat und schließe damit meinen Blog MyLife ab.

Eine zeitlang war er ein nettes Medium zum Festhalten von Gedanken und Erinnerungen. Da er aber von der Usability her (vor allem auf mobilen Geräten) schlecht und Facebook einfach praktischer ist, bin ich schon vor Langem dazu übergegangen, nur noch bei FB zu posten. All diejenigen, die dort noch nicht mit mir vernetzt sind, lade ich hiermit nochmals herzlich ein: https://www.facebook.com/jochen.koch.52

Hong Kong/ New
Zealand im August/ September 2014

22.8. Im
Taxi zum Airport Nbg sitzt Q. zum ersten Mal in einem Kindersitz für
Kleinkinder – und geht darin ein wenig unter. Flug nach FFM überhaupt kein
Problem. Beim Aufstieg was zu Nuckeln und alles ist gut. Beim Einsteigen in den
Flieger nach HK pennt Q. bereits.

23.8. Von
den ca. 11h Flug schläft er ca. 7h. Anschließend bespaßt er den halben Flieger,
krabbelt rum, geht zu allen möglichen Leuten auf den Arm und ist super drauf.
Daran ist das extrem praktische Baby-Bettchen im Flieger nicht ganz
unbeteiligt.

Auch die
restliche Strecke zum Hotel mit Airport Express und Bus meistern wir zu dritt
hervorragend. Unser Zimmer liegt im 40. von 41 Stockwerken. Aus dem für diesen
Tag noch geplanten Ausflug in das nahegelegene Viertel Causeway Bay wird es
dann aber in erster Linie aufgrund des leicht verspäteten Fluges doch nichts
mehr.

Wir gehen
dafür ums Eck in ein kleines chinesisches Schnellrestaurant und kommen so
richtig an.

24.8.
Wandertag! Flanieren durch die Gegend zw. Central und Sheung Wan und zum 2.
Frühstück in eine Tee-/ Dim Sum-Halle, wo wir gleich Bekanntschaft mit einem
südafrikanisch-taiwanesischen Pärchen aus Taipeh machen. Dann weiter zur Peak
Tram und auf den Victoria Peak. Nach dem Besuch des Peak Tower beginnt die
Wanderung zum Park am Gipfel. Zur körperlichen Anstrengung kommt auch noch die
geistige beim Suchen des richtigen Weges zum Rundwanderweg hinzu. Die
Beschilderung ist lausig bis nicht vorhanden, aber natürlich meistern wir auch
diese Hürde. Q. genießt das alles in seiner Sänfte/ Kraxe und schläft nicht
zuletzt wegen der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit immer wieder ein. Wenn er
wach ist, wird er von jedem Zweiten angequatscht. Während die Leute unser Kind
(in seiner Kraxe) bewundern, genießen wir die herrliche Aussicht auf Hongkong.

Den
Gipfelbesuch schließen wir mit einem Abendessen (Austern usw.) im herrlich
gelegenen Peak Cafe ab.

Nach der
Talfahrt mit der Peak Tram treten wir die Rückfahrt zum Hotel mit der
doppelstöckigen Straßenbahn an.

Völlig
erschöpft erreichen wir unser Hotel Grand Harbour Hongkong und stellen fest,
dass

a) die Kraxe
neben dem Quinny die beste Anschaffung für unseren Sohn war (mit Buggy ist man
in HK verloren) und

b) man mit
diesem Kind einfach alles machen kann – nahezu keine Einschränkungen ggü. unseren
Reisen zu zweit!

25.8.
Nachdem Neddi ihren Nachfrühstücksschlaf endlich beendet hat, brechen wir
Richtung Ferry Terminal auf. Heutiges Ziel: Macau.

Die nicht
ganz billige Überfahrt mit der Fähre gestaltet sich immerhin sehr entspannt –
Super Class sei Dank!

Vom Hafen in
Macau geht’s weiter mit dem Bus in die Altstadt. Die Mischung aus
portugiesischer und chinesischer Kultur ist fast schon – Dirk würde sagen –
bizarr. Wir schlendern durch die Straßen mit sehr vielen Menschen und genießen
den an jeder Ecke angebotenen Jerky. Zu blöd, dass wir wg. der strengen
Vorschriften in NZ nichts davon und von den landestypischen Törtchen mitnehmen
können.

Es ist sehr
heiß und wir schleppen uns hoch zur alten Festung, wo wir dann einige Zeit im
Schatten und bei angenehmem Lüftchen Mittagspause machen.

Was
andernorts die Fliegen sind, das werden hier und heute allmählich die Asiaten,
die unseren blonden, blauäugigen und in seiner Kraxe sitzenden Zwerg ständig
anquatschen, angrabschen und fotografieren – inkl. Selfies mit ihm!

Gegen 17:00
fahren wir mit der Fähre wieder zurück und in Hongkong gleich weiter ins Hotel.
Den für heute Abend noch geplanten Ausflug nach Kowloon verschieben wir auf
morgen.

Stattdessen
gehen wir endlich mal in den tollen Hotelpool mit freiem Blick auf die Skyline.
Die ach so tolle Lichtershow der Hochhausfassaden ist zwar enttäuschend, dafür
haben wir viel Spaß mit unserer kleinen Wasserratte.

Das spät
aufkommende Hüngerchen sättigen wir dann im hoteleigenen Restaurant für
kantonesische Spezialitäten – eine sehr gute Wahl.

Besonderheiten
des Tages:

1. Neddi hat
es tatsächlich geschafft, den ganzen Tag die Kraxe (inkl. Q.) zu tragen

2. Unser
Wunderkind ist morgens mit 38,5 Grad Fieber und einem ordentlichen Schnupfen
aufgewacht. Vormittags noch ein bisschen Husten, nachmittags schon etwas besser
und seit dem Plantschen im Pool heute abend ist davon außer ein bisschen
Schnaufen beim Schlafen nichts mehr zu sehen – wie macht der das bloß?

26.8. Haben
alle drei erst mal schön lange bis ca. 9 Uhr geschlafen. Nach dem Frühstück
ging es dann Richtung Kowloon, um unsere letzten Stunden in HK zu nutzen. Rund
um die Temple Street schlendern wir durch die Straßen, bewundern die Obst- und
Fleischverkaufsstände, erwerben auf dem Kleidermarkt dank Neddis Verhandlungsgeschick
noch ein chinesisches Kleidchen für Viola zum Schnäppchenpreis, finden auch auf
dem Jade-Markt ein Souvenir und landen endlich doch noch in einem Tempel. Auf
dem Rückweg noch zwei leckere Bubble Tea und dann ab ins Hotel zum Packen. Dank
“late check-out” können wir bis zum Aufbruch Richtung Flughafen um
15:30 noch in unserem Zimmer bleiben.

Am Flughafen
setzen wir unsere letzten Dollars noch in chinesische Köstlichkeiten um, bevor
wir auf die freundliche Kiwi-Crew unseres Air New Zealand Fluges treffen.

Der Flieger
hat ein brandneues Entertainmentssystem und so können Neddi und ich ein
Wimmelbildspiel gegeneinander spielen.

27.8. Q.
schläft auch auf diesem Langstreckenflug (10h) wieder einige Zeit, aber lässt
uns nicht ganz soviel Ruhe wie beim Flug nach HK. Immerhin ernten wir beim
Aussteigen wieder “Lob” für unser braves Kind von einer Mitreisenden.

Vom
Flughafen – es ist frisch, aber noch angenehm sonnig – geht’s mit dem
Shuttlebus weiter zur Camper-Vermietung, von wo aus wir nach einigem Warten
endlich wieder als Selbstfahrer in den Linksverkehr starten können.

Die erste
Etappe führt uns an Auckland vorbei in das 100 km entfernte Leigh, in dessen
Nähe das Goat Island Marine Reserve liegt. Hier soll man sogar vom Ufer aus
etwas vom Fischreichtum sehen können. Nun, es ist windig, arschkalt, der Ort
wie ausgestorben und nicht mal der Campingplatz hat geöffnet. Wir gehen am
schönen, rauen Strand spazieren und genießen die Natur, auch wenn wegen des
Wellengangs kein Fisch zu sehen ist.

Unser erstes
Nachtlager schlagen wir einige Kilometer weiter in Pakiri auf, einem direkt am
Strand gelegenen Campingplatz. Wir richten uns ein, Neddi kocht, es ist kalt –
genau wie 2009 und 2012 in der ersten Nacht in Australien. Nur diesmal haben
wir unseren Q. als Wärmflasche zwischen uns liegen.

28.8. Es hat
8 Grad und der Campingplatzbetreiber hatte am Vorabend schon Sturm für die
nächsten Tage angekündigt – juhuu! Nach dem Frühstück spazieren wir ein
bisschen am Strand, dann brechen wir auf Richtung Westküste. Unterwegs halten
wir in Matakohe am Kauri Museum und holen uns einen lebensgroßen Kiwi in
Stofftierform als Mitfahrer mit an Bord. Bei einem kurzen Stopp an einem der
Häuschen, wo man Geld hinterlässt und dafür Gemüse mitnimmt, ergattern wir eine
Tüte Kumara, die hiesigen Süßkartoffeln.

Als nächstes
besuchen wir in Dargaville den Laden/ die Werkstatt von Rick Tayler und
erstehen mit zwei Teelichthaltern aus Fiddleback Grain Swamp Kauri ein wirklich
edles Souvenir. Anschließend fahren wir zum Top 10 Caravan Park am Trounson
Kauri Park. Kleiderwaschen, Duschen, dann noch schnell mit anderen Kindern am
Flying Fox „abhängen“, und ein BBQ lassen den späten Nachmittag/ frühen Abend
schnell vergehen. Aber noch ist nicht Feierabend. Gegen 20:30 brechen wir mit
einer Rotlichtlampe auf zum nächtlichen Kiwi Spotting. Wird leider nix, da die
Lampe nach kürzester Zeit den Geist aufgibt. Aber die großen Aale im schmalen
Bach und das Wandern durch den stockfinsteren Wald mit Taschenlampen, lassen
diesen Ausflug dennoch zu einem Highlight werden. Q. hat von der Kraxe aus
natürlich alles beobachtet, keinen Mucks von sich gegeben und ist dann doch
eingeschlafen.

29.8. Erstes
Ziel heute ist der einsam gelegene Aranga Beach, an dem wir einen kleinen
Spaziergang unternehmen. Danach geht es in den Waipua Forrest, wo die größten
noch existierenden Kauri-Fichten stehen. Wir machen zweimal Halt, und stapfen
mit Quentin in der Kraxe los zu den Baumriesen. Die Reise geht weiter Richtung
Norden. Um rund 40 km Landweg zu sparen, nehmen wir die Fähre von Rawene nach
Kohukohu. Für die folgenden 45 Kilometer brauchen wir aufgrund der endlosen
Kurven fast eine dreiviertel Stunde. Das letzte Stückchen bis zum Ort Ahipara
am 90 Mile Beach ist dann aber schnell geschafft und ein Platz auf dem Kiwi Holiday
Park gefunden.

Zum
Abschluss des Tages grillen wir Lammburger und Quentin bewundert das
Kaminfeuer.

30.8. Heute
Nacht hat es angefangen zu regnen und mein für heute Vormittag geplantes Sand
Tobogganing (mit einem Brett die Dünen runterfahren) kann ich vergessen. Sehr
schade! Wir machen wenigstens einen kurzen Abstecher zum Strand und stellen uns
vor, was wir machen würden, wenn wir jetzt wie in Westaustralien einen
Allrad-Camper hätten…

Wir fahren
also weiter und suchen wegen des Dauerregens und Wind ein Alternativprogramm
zum üblichen Sightseeing. Naja, Essen geht immer und damit kennen wir uns ja
schließlich gut aus. Zuerst besuchen wir im Schulhaus in Taipa einen kleinen
Markt, auf dem wir u.a. Peter kennenlernen, einen Deutschen, der hier sein selbstgebackenes
Brot verkauft. Dann weiter nach Mangonui, das bekannt ist für seine Fish ‘n’
Chips. Die schmecken auch Quentin vorzüglich. Ebenso wie die Schokolade in der
Makana Schokoladenmanufaktur in Kerikeri. Und auf der letzten Etappe bis zum
Bay of Islands Holiday Park halten wir noch an einer Farm und kaufen Avocados.

Auf dem
Campingplatz bekommt Annette das Goldene Lenkrad verliehen (Quentins Greifring
mit einer Reiswaffel) dafür, dass sie auf einer der zahlreichen One Lane
Bridges die linke Leitplanke touchiert hat. Ich gehe dann trotz Regen mit
Quentin noch spazieren und auf den Spielplatz zum Schaukeln und auf das
Trampolin.

31.8. Es
regnet und windet immer noch. Aber wir ziehen einfach den Regenschutz über die
Kraxe und erkunden die Waitangi Treaty Grounds inkl. Museum, viktorianischem
Cottage, Maori Kriegskanu und vor allem der Cultural Show. Bei dieser darf ich
als Chief des Touristengruppenstammes die Begrüßungszeremonie mitmachen und den
typischen Gruß durchführen, bei dem man sich an Stirn und Nase berührt. Das und
die folgende Tanz- und Gesangsshow sind sehr beeindruckend. Den Rest des Tages
fahren wir weiter – durch den Regen. Dabei halten wir nur kurz in Kawakawa und
benutzen die öffentliche, von Friedensreich Hundertwasser entworfene und sogar
mit seiner Hilfe gebaute Toilette. Einen weiteren Stopp machen wir für das Kiwi
North Kiwi House. Das Museum mit Infos zu den ausgestorbenen Riesenvögeln, den
Moas, sowie über Neuseeländer im ersten Weltkrieg, ist ganz interessant, das
Kiwi House selbst leider etwas enttäuschend, da es in dem Gehege der
nachtaktiven Tiere so dunkel ist, dass man nur einen der beiden vorhandenen Vögel
lediglich schemenhaft erkennt. An ordentliche Fotos ist nicht zu denken.

Rund 2h
später kommen wir auf einem stadtnahen Campingplatz in Auckland an, wo wir für
zwei Nächte bleiben werden.

1.9. Regen.
Wir bleiben bis 12:30 am Campingplatz (Rumliegen, Duschen, Frühstücken,
Wäschewaschen, Reiseführerlesen). In voller Regenmontur (Hosen, Jacken, Kraxe
und Rucksack mit “Kondom”) laufen wir 20 min zur Bahnstation Avondale
und fahren nach Auckland rein. Im Regen erkunden wir die Gegend um den Hafen
herum und landen dann eigentlich nur wegen des Hinweises auf günstige Green Lip
Mussels als Mittagsmenü in einem Irish Pub. Der ist ein absoluter Volltreffer.
In dem urgemütlichen Laden (mit Free WiFi) bekommen wir die Kuschelecke vor dem
Kaminfeuer – und bleiben rund zwei Stunden.

Danach
schlendern wir noch durch eine ‘Arcade’, wo wir in einem Souvenirladen
Handschuhe für Q. finden, und dann weiter die Queen Street hoch, wo im Oakley
Laden auch auf mich ein paar Handschuhe wartet.

Auch der
kleine Abstecher zum Albert Park entpuppt sich als Glücksfall: Sehr schön
bepflanzt und mit gutem Ausblick auf die Stadt bietet er ein bisschen
Abwechslung zu den Straßenschluchten.

Krönender
Abschluss des Tages ist dann das Abendessen in den Elliot Stables, einer Art
Edel-Food-Court, wo wir exzellent essen.

Anschließend
geht’s zurück zum Campingplatz, wo wir in der Hoffnung zu Bett gehen, dass es
am nächsten Tag, nicht mehr regnet oder wenigstens nicht mehr ganz soviel.

2.9. Wir
kaufen bei Pak ‘n’ Save noch mal ordentlich ein und verlassen Auckland dann
Richtung Coromandel Peninsula. Die schmale, kurvige Küstenstraße am
Westufer der Halbinsel verläuft wirklich direkt am Wasser und bietet herrliche
Ausblicke auf Meer und Küste. Unterwegs halten wir an einem Oyster Deli
und sogar Q. genießt eine dieser rohen Delikatessen.

Zur Ostküste
nehmen wir eine überwiegend unasphaltierte Straße durch die Mitte der
Halbinsel. Auf dieser Strecke machen wir Halt im verrückten Waterworks
Park, an den Waiau Falls und bei Honey 309, wo wir den nur in NZ produzierten
Manuka Honig einkaufen.

Gleich nach
Ankunft am Campingplatz und einer kleinen Strandbesichtigung in Hahei, wo wir
einen Stellplatz mit Meerblick haben, machen wir uns noch mal auf zum Hot Water
Beach, um unsere Füße in das am Strand aus dem Boden quellende heiße Wasser zu
stellen. Begleitet werden wir dabei von einem Sonnenuntergang, der die Wolken
am Himmel rosa leuchten lässt. Zurück am Campingplatz gibt’s es landestypisch
noch Mince & Cheese Pie zum Abendessen.

3.9. An
diesem Morgen genießen wir das erste – und wahrscheinlich auch einzige – Mal
während unserer Reise das Frühstück im Freien bei herrlichem Sonnenschein und
angenehmen Temperaturen.

Die genießen
wir auch während unserer zweistündigen Wanderung zur Cathedral Cove, einem
etwas abgelegenen Strand, der durch einen ausgespülten Felsbogen mit einem
weiteren Strand verbunden ist.

Eine etwas
längere Fahrt führt uns anschließend ins im Zentrum der Nordinsel gelegene
Rotorua, wo wir zum Abschluss der Tages nacheinander beim Zorbing zu
Zydro-Zorbonauten werden: In einem mit etwas warmem Wasser gefüllten
Plastikball rollen wir im Zickzackkurs einen Hang hinunter.

Von unserem
Campingplatz für die folgende Nacht sind es nur ein paar Meter zum Strand des
Lake Rotorua. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem heißen Bachlauf und
zahlreichen Blubbertümpeln vorbei – unsere erste Begegnung mit den für die
Region typischen geothermischen Besonderheiten. Während Annette das Essen
zubereitet, springe ich mit Q. noch für 20 Minuten in einen der durch die
heißen Quellen gespeisten Hot Pools des Campingplatzes. Er genießt das
Plantschen in rund 40 Grad heißem Wasser sichtlich.

4.9. Nach
einem nicht enden wollenden Gespräch mit John Sydney Smith aus Applecreek/
Queensland und einem netten Gespräch mit dem Campingplatzangestellten über
Geschichte und Kultur Neuseelands fahren wir zur Lakefront von Rotorua und
spazieren zuerst nach Ohinemutu, dem Maori-Kerngebiet von Rotorua. Dort erwerbe
ich einen sehr schönen Patu (Schädelspalter). Dann laufen wir zu den
ansehnlichen Government Gardens.

Die
anschließende Fahrt zu The Landing, einer Uferzone des Lake Tarawera, hätten
wir uns sparen können – laaangweilig.

Umso
spannender dann unser zweistündiger Marsch durch das Waimangu Volcanic Valley
und die abschließende Bootsfahrt über den Lake Rotomahana: faszinierende Krater
und Seen, blubbernder Quellen, heißer Dampf, sprudelnde Geysire.

Unser
Nachtlager schlagen wir heute am Waikite Thermal Pools Campground auf. Vor den
leckeren Lammsteaks gehen wir allerdings erst mal noch ausgiebig in den
Thermalbecken plantschen, allen voran unsere kleine Wasserratte Quentin.

5.9. Um
10:15 stehen wir pünktlich für den geplanten Ausbruch des Lady Knox Geysiers
bereit, die GoPro ist an der Absperrung montiert. Die durch Seifenpulver
ausgelöste Eruption ist dann allerdings gerade mal “nett”, mehr aber
auch nicht. Vielleicht sollten wir doch mal nach Island…

Der
anschließende Spaziergang durch das Wai-o-Tapu Thermal Wonderland wird durch
die unterschiedlichsten Formen von heißen Quellen und dergleichen recht
kurzweilig. Danach statten wir noch den gleich ums Eck liegenden Mud Pools
einen Besuch ab und erfreuen uns an dem melodischen Matschblubbern.

Wir fahren
weiter Richtung Taupo und legen noch Stopps ein bei den Aritiatia Rapids, den
Huka Falls und einem Lookout über Taupo, von dem aus der riesige Kratersee, an
dem die Stadt liegt, gut zu sehen ist. Am Ufer entlang fahren wir Richtung
Süden, wo mehrere Vulkane den Tongariro Nationalpark bilden, den wir aber inkl.
seiner Herr-der-Ringe-Filmlandschaft Mordor rechts liegenlassen und weiter der
sog. Desert Road durch Tussock-Graslandschaften folgen. Es ist allerdings schon
dunkel geworden und in Ermangelung eines ordentlichen Campingplatzes machen wir
noch einige Kilometer bis zur Garnisonsstadt Waiouru, wo wir auf dem für Camper
freigegebenen Parkplatz des National Army Museums unser Lager aufschlagen.

6.9. Heute
haben wir eine längere Fahrt vor uns, die uns in die Hauptstadt Wellington
führt. Am Campingplatz im Vorort Lower Hutt angekommen, waschen wir erst mal
wieder. Dann geht es mit dem Bus rund 40 min ins Zentrum von Wellington. Es ist
Samstag abend 17:30 und alles hat zu – Mist! Bei Eiseskälte stapfen wir
zumindest durch die Hafengegend und schauen uns ein paar Gebäude an, bevor wir
uns zum Aufwärmen in ein Café retten. Von dort aus verabreden wir uns mit
meinem alten Schulkameraden Tobias Wiesner, der seit 2,5 Jahren in Wellington
bei Weta Digital als Compositor arbeitet und somit für Special Effects in
Filmen wie “Der Hobbit” verantwortlich zeichnet. Nach leckeren
neuseeländischen Tapas und netten Gesprächen mit ihm geht es mit dem Bus wieder
aus dem Großstadtleben zurück ins Camperleben.

7.9. Wir
beginnen den Tag mit einem ausgiebigen Bad im Familienbadezimmer am
Campingplatz. Quentin mal nicht auf dem Arm haltend mitduschen zu müssen,
sondern bequem in die Wanne zu setzen, ist wahrer Luxus. Tobi hat Annette
neugierig gemacht und so sehen wir uns vormittags noch die Weta Cave an, um
mehr über Digital Effects und vor allem die Herstellung von Requisiten zu
erfahren. Bevor wir uns Richtung Fähranleger des Interislander zwecks Überfahrt
zur Südinsel begeben, fahren wir noch hoch auf den Mount Victoria und genießen
die fantastische Aussicht über Wellington und Umgebung – und die Sonne scheint
dazu!

In drei
Stunden, in denen Q. gefühlt eine Stunde an einem Feuerlöscher rumturnt und
-kaut, bringt uns die Fähre zur Südinsel in den Ort Picton. Von hier aus nehmen
wir die kurvige, aber landschaftlich reizvolle Küstenstraße Queen Charlotte
Drive, um unser Nachtlager in Havelock zu erreichen. Wir gönnen uns zum
Abendessen im Slip In Café 2kg der in dieser Gegend besonders berühmten Green
Lip Mussels, eine Portion davon mit Soja-Wasabi-Sauce. Dies ist mal eine ganz
neue, aber extrem leckere Art, Muscheln zu genießen.

8.9. Weiter
geht es in die Tasman Bay. In Nelson fotografieren wir unser erstes
Pinguin-Warnschild, in der Bucht daneben taucht ab und zu eine Robbe auf, die
Aussicht aufs Meer ist traumhaft. In Richmond genehmigen wir uns beim Wine
Tasting ein paar Schlucke, kaufen zwei Flaschen Wein für uns und einen
Dessertwein als Geschenk für Andrea Plannerer.

In Mapua
machen wir Mittagspause, genießen sizilianische Fischsuppe und Gipsy Eggs (Eier
in Tomatensoße gekocht) – saulecker! Als “Souvenir” nehmen wir uns
noch geräucherten Fisch und Fisch- und Muschel-Paté vom Smokehouse mit.

Ein Lookout
in den Takaka Hills ermöglicht eine großartige Aussicht über die Hügel selbst,
das Küstenhinterland und die Küste der Tasman Bay.

Außerhalb
von Takaka begehen wir die Grove Scenic Reserve, ein Gewirr aus von Bäumen
überwucherten Kalksteinformationen mit einer weiteren Aussichtsplattform.

Da wir immer
einenTag vorausplanen, fahren wir gegen Ende unseres Reisetages in den kleinen
Ort Collingwood, um bei Eco Tours unseren Ausflug auf die rund 30 km lange
Sandhalbinsel Farewell Spit am nächsten Tag zu buchen. Hier lassen wir uns auch
auf der Karte zeigen, wo das Ehepaar Boyes wohnt, die wir in Hehei bzw. am Hot
Water Beach und der Cathedral Cove kennengelernt hatten.

Die letzten
Kilometer führen uns nach Wharariki in den Holiday Park am Cape Farewell, wo
wir von zwei Pferden, Pfauen und Hühnern begrüßt werden. Quentin lacht sich
über die Fressgeräusche der Pferde halb kaputt.

Karl,
gebürtiger Engländer und seit Kurzem der Site Manager, lässt mich telefonieren
und so verabrede ich uns für den nächsten Abend mit den Boyes, die auch erst
seit 2h von ihrer Reise zurück sind. Wir sind für den nächsten Abend zum Essen
eingeladen und dürfen sogar in ihrer Hofeinfahrt über Nacht campen.

Zurück im
Camper müssen Annette und ich Quentins ersten “Absturz” miterleben.
Irgendwie schiebt er die senkrecht gestellte Tischplatte, die ihn auf dem Bett einsperren
soll, beiseite und fällt samt der Platte aus ca. Oberschenkelhöhe auf den Boden
– Gesicht voran. Zum Glück hat er nur eine kleine Bremsspur auf der Backe und
keinerlei andere Blessuren. Aber natürlich schreit er wie am Spieß und wir
bekommen einen Riesenschreck.

Nachdem er
eingeschlafen ist und wir gegessen haben, treffe ich mich noch auf ein Bier mit
Karl. In den folgenden 90 min habe ich max. 2% Redezeit. Karl ist nicht nur ein
Anhänger der sog. Perma Culture und lebt ein nachhaltiges Leben, sondern hat
auch ziemlich schräge Geschichten drauf. Er hat 10 Jahre in Thailand gelebt,
musste dann von dort (und vor der Mafia) mehr oder weniger fliehen, versteckt
sich nun an einem einsamen Zipfel von Neuseeland vor dem anstehenden Dritten
Weltkrieg und der CIA und recherchiert den Verschwörungstheorien um 9/11, dem
Verschwinden des Malaysia Airlines Fluges und andern verrückten Dingen
hinterher. Der Monolog langweilt mich aber in keinster Weise. Der Kerl ist
einfach sehr authentisch und unterhaltsam.

9.9. Beim
Frühstücken beobachtet uns eines der Campingplatzpferde durchs Fenster. Die
Zeit bis zu unserem gebuchten Ausflug auf den Farewell Spit überbrücken wir mit
einer Wanderung zum Wharariki Beach, wo wir schon auf dem Weg zum Strand im
Wharariki Stream junge Robben (Seals) sehen. Die Suche nach der Seal Nursery am
Strand bleibt zunächst erfolglos, doch beim Erkunden der Mündung des Wharariki
Stream treffen wir wieder auf die jungen Seals. Es gelingt uns, bis auf
Armeslänge an die Tiere heranzukommen, die immer wieder neugierig die Köpfe aus
dem Wasser stecken. Am Rückweg schauen wir noch mal an den Felsen vorbei, wo
sich die Nursery befinden soll. Das Wasser ist noch weiter zurückgegangen und
tatsächlich springt auf einmal ein junger Seal hinter einem Felsen hervor.

Nach so viel
Tierbobachtungen begeben wir uns zum Tor nach Farewell Spit und warten auf
unseren Tourbus. Als er ankommt haben wir sofort einen Flashback und fühlen uns
nach Coober Pedy zurückversetzt: nur Rentner – und wir. Wir lernen einen
Schotten aus Nelson kennen, der sehr gut Deutsch spricht, weil er
wöchentlich an einem Deutschclub teilnimmt. Der Bus bringt uns rund 25 der 30
km raus auf die Halbinsel aus Sand bis zum Leuchtturm. Unterwegs sehen wir
vereinzelt ausgewachsene Robben am Strand und finden den ein oder anderen
“Schatz”. So schneidet John, unser Guide, einem Stachelrochenskelett
den Stachel ab und übergibt ihn Annette als Souvenir. Auch die Vogelwelt ist
beeindruckend, z.B. die in Pärchen je einen rund 500m langen Strandabschnitt
belegenden Black Oyster Fisher oder die eleganten und schön gefiederten
Basstölpel (Gannetts).

Am
Leuchtturm gibt es dann Tee und Muffins, bevor wir wieder zurückfahren. Am Ende
dann noch mal ein richtiges Highlight: Zum sog. Ocean Beach hinter dem Fossil
Point ist nur wegen Vollmonds und der damit verbundenen stärkeren Ebbe die
Zufahrt mit dem Allradbus für kurze Zeit möglich. Wir parken auf dem Sand
zwischen steilen Felswänden und sind von rund einem Dutzend Seals umgeben, die
uns argwöhnisch beobachten, manche von ihnen robben gen Meer.

Zurück an
unserem Camper beeilen wir uns, ins rund 60 km entfernte Takaka zu kommen, wo
die Familie Boyes – Tui und Trevor mit Tochter Cheryl und ihrem Mann Ian –
schon mit dem typisch neuseeländischen Dinner auf uns wartet: Lamm mit
Minzsoße, Kumaras und Kartoffeln, Erbsen und Karotten. Als Nachtisch: Kiwi
Pavlova.

Wir
quatschen noch bis halb zwölf oder so und gehen dann in unseren Camper, der in
der Hofeinfahrt parkt. Da wir den Internetzugang der Boyes nutzen dürfen, wird
es heute mit dem Zubettgehen etwas später…

10.9. An
diesem Morgen putzen wir Q. zum ersten Mal die Zähne – naja, den sechstel Zahn
und den zweiten Zahn, der bereits durchschimmert. Wir verabschieden uns
herzlich von den Boyes, die uns schnell ans Herz gewachsen sind, und
brechen etwas später als geplant auf. Erster Stopp sind die vor den Toren von
Takaka liegenden Pupu Springs. Diese Quellen sprudeln aus dem Grund eines
unvorstellbar klaren Sees, an dessen Oberfläche man sieht, dass Wasser von
unten an die Oberfläche quillt. Eine etwas längere Fahrt, u.a. durch ein
Obstanbaugebiet, führt uns bis nach Murchison, wo wir an der Buller Gorge
Swingbridge erst selbige in schwindelerregender Höhe überqueren (Lob an
Neddi!), dann einen kurzen Walk durch die dahinterliegende Gegend unternehmen
und zuletzt mit einem Tandem Flying Fox wieder zurück zum anderen Ufer flitzen –
Q. ist dabei vor meiner Brust festgeschnallt. Auf dem weiteren Weg kommen wir
an zwei Stellen, an denen der Highway für ein kurzes Stück einspurig ist (links
Felswand, rechts Buller River), einmal immerhin durch eine Ampel geregelt. Am
Abend erreichen wir den Top 10 Seal Colony Holiday Park in Westport, wo uns Q.
dummerweise ein zweites Mal aus dem Bett fällt. Zum Glück ist auch dieses Mal
nix passiert.

11.9. Es
regnet endlich mal wieder und so schmeißen wir uns wieder komplett in
Regenanzugschale, um die Seal Colony zu besuchen. Zum Glück hört es nach kurzer
Zeit auf und wir können den Anblick der Tiere von der Plattform aus besser
genießen – bis Q. einen seiner Possum-Merino-Handschuhe über die Brüstung
fallen lässt. Naja, muss Superdaddy eben die Felsen hinunterklettern und den
Handschuh retten. Dies führt zu einer überraschenden Begegnung mit einem jungen
Seal, der sich weiter oben in der Böschung einen Ruheplatz gesucht hatte. Dank
der reißfesten Flachspflanzen gelingt auch der Wiederaufstieg nach
erfolgreicher Handschuhbergung.

Da unser
Sprit knapp ist und auf den folgenden knapp 100 km keine Tankstelle kommt,
müssen wir leider noch mal ein paar Kilometer zurück nach Westport zum Tanken.

Die
Küstenstraße Richtung Süden bietet traumhafte Aussichten. Gekrönt wird die
Westküstenroute vorerst durch den Besuch der Pankake Rocks, von denen aus
Annette sogar Delfine im Wasser entdeckt. Wir machen anschließend noch ein
Päuschen im angeschlossenen Bistro und kaufen noch ein paar schöne Souvenirs
(u.a. Schaf für Q., Handschuhe für Muttern).

Greymouth
besitzt tolle alte Häuser, ist für uns aber trotzdem nicht mehr als ein Stop
beim Supermarkt, um wieder aufzustocken.

An diesem
Abend halten wir zum Übernachten am DOC-Campground Lake Ianthe, wo wir die
Brüder Greg und Alex aus Frankreich kennenlernen. Sie sind mit Zelt und Fahrrad
unterwegs – seit ca. drei Jahren. Nach Südostasien und Australien beradeln sie
nun Neuseeland, bevor es nach Südamerika weitergeht.

12.9. Frühe
Weiterfahrt (9 Uhr) zum Franz Josef Gletscher, es schüttet und die Sicht ist
schlecht. Wir entscheiden uns trotzdem für die Wanderung zur Gletscherzunge und
laufen am Flussbett des Gletschers durch Geröll zum Ende des Gletschers. Am
Rückweg hilft Jochen der Francokanadierin Marie den Berg hinunter und wir
laufen Hand in Hand gemeinsam zurück zum Parkplatz. Als wir losfahren wollen,
entdecken wir einen seltenen Kea auf unserem Dach und machen schnell noch
einige Fotos. Jochen ist sich sicher, dass es sich bei dem vorliegenden
Exemplar um keine endemische Art handeln kann und der Vogel einem australischen
Wanderzirkus entflogen sein muss. Vogelkundlerin Neddi überzeugt ihn dann
schließlich doch, dass es sich um den einheimischen Kea gehandelt hat (a
fed Kea is a dead Kea).

Das Wetter
bleibt katastrophal, also Weiterfahrt vorbei an Fox Glacier über Haast und
Haast Pass (Baustellenampel!), am Lake Wanaka entlang bis Wanaka. Wir müssen
uns sputen, da der Haast Pass ab 17:00 Uhr bis zum nächsten Morgen gesperrt
ist. Am Top 10 Holiday Park in Wanaka können wir wieder mal waschen und die
Wäsche anschließend im Skikeller bzw. -trockenraum aufhängen, da die Skisaison
zu Ende geht und der Trockenraum kaum mehr für Skier usw. genutzt wird.

13.9. Wir
sammeln die Wäsche ein und fahren erstmal bis Cromwell, wo wir uns den urigen
Historic Precinct ansehen, d.h. 7 Häuser, die noch aus dem 19. Jhd. stammen und
einem Stauseeprojekt in den 80ern zum Opfer gefallen wären. Um sie zu retten
wurden sie Stein für Stein abgetragen und einige Meter höher oberhalb des neuen
Seeufers wieder aufgebaut. Wir kehren dort noch auf ein klitzekleines zweites
Frühstück ein, um dann durch die wunderschöne, von Schieferstein durchzogene
Landschaft von Central Otago unsere Reise Richtung Dunedin fortzusetzen.

Dort
angekommen buchen wir beim beim iSITE für den nächsten Tag
“Tierbegegnungen” auf der Otago Peninsula und parken unseren
Campervan dann an der Market Reserve entlang der Princes Street, wo man zum
Campen stehenbleiben darf. Praktisch, denn von hier aus ist man in ein paar
hundert Metern in der Innenstadt. Wir machen noch ein bisschen Sightseeing und
Annette kauft sich im Räumungsverkauf der australischen Marke ‘Mountain Designs’
eine neue Jacke. Anschließend geht es auf ein schottisches Abendessen ins
gehobenere Lokal ‘Scotia’. Der Haggis, die Scallops, das Venison und der
Whitebait sind vorzüglich. Aber zum Dessert ziehen wir weiter in The Terrace,
wo wir uns das Rugby-Spiel NZL vs. RSA ansehen. Uns geht es eigentlich nur
darum, den Haka-Tanz der All Blacks mal zu sehen. Das Spiel an sich ist sowieso
schwer zu durchblicken…

Nach
leckerem, zuckersüßem Dessert sowie einem ganz knappen Sieg der All Blacks
trappeln wir mit unserem schlafenden Kind zurück zum Camper und zu unserer
ersten Innenstadt-Übernachtung.

14.9. Ich
hab Geburtstag! Noch ein kleiner Stopp an der sehenswerten Dunedin Railway
Station und los geht’s auf die Otago Peninsula. Erstes Ziel dort ist das
einzige Schloss Neuseelands, nach europäischen Maßstäben eher ein Schlösselein.
Das Larnach Castle besitzt aber einen hübschen Garten und so lustwandeln wir
ein wenig.

Weiter
geht’s zur Sandfly Bay, wo wir aufgrund der knappen Zeit die sandige
Böschung regelrecht hinunterrennen (5 min), um die dort am Strand faulenzenden
Seelöwen zu bewundern und zu fotografieren. Den steilen Sandhang rauf brauchen
wir dann 15 min. Dann weiter zur Royal Albatross Colony mit dem speziell
eingerichteten Beobachtungshäuschen. Leider ist heute nicht viel los in der
Kolonie, aber wir werden trotzdem Zeugen eines kurzen Fluges und der
beindruckenden Landung eines Albatrosses. Nächste gebuchte
“Tierbegegnung” ist der Penguin Place. Wir fahren mit einem Bus
zur Küste und sehen nicht nur Seals und ein paar kleine blaue Pinguine in den
vorbereiteten Nesthöhlen, sondern von den Unterständen und
“Schützengräben” aus auch die größeren Yellow Eyed Penguins aus
wenigen Metern Entfernung. Letzte “Show” ist dann das Anlanden der
Little Blue Penguins nach Sonnenuntergang gleich unterhalb des Albatross
Centre. In mehreren Wellen im Abstand von einigen Minuten und jeweils in
Grüppchen kommen die nur 25 cm großen Vögel angeschwommen/ angetaucht,
watscheln an Land und suchen ihr Nest auf. Im von den Rangern eingeschalteten
Dämmerlicht werden die Fotos nicht besonders gut, aber so etwas mitzuerleben,
ist allein schon klasse. Alles in allem ein tierischer Tag, der eines 34.
Geburtstags mehr als würdig ist. Es ist schon fast 20:00 und wir können nicht
mehr allzu weit fahren. Also übernachten wir noch mal kostenfrei in Dunedin,
dieses Mal zur Abwechslung aber direkt am Rugby Oval hinter dem Kensington Pub.
Die ständig ausfallende, bei < 10 Grad Celsius aber dringend benötigte
Standheizung, kann zum Glück mit Hilfe des Hotliners Dustin (nicht Bastian),
den ich an seinem Akzent sofort als Deutschen enttarne, wieder in Gang gesetzt
werden (Hauptschalter aus und wieder an).

15.9.
Sonnenschein! Und wir kommen um 8:45 schon los – neuer Rekord. Bevor wir
Dunedin verlassen, halten wir noch kurz an der mit 38 Grad steilsten Straße der
Welt (Baldwin Street). Dann machen wir uns auf die zunächst sehr sehenswerte,
später etwas eintönige, im letzten Abschnitt aber wieder spektakuläre
Weiterfahrt zum Lake Tekapo im McKenzie Highcountry. Unterwegs halten wir nur
an den Moeraki Boulders. Außerdem sehen wir während der Fahrt endlich mal
schneebedeckte Gipfel, nicht nur Wolken.

Bei der
Ankunft in Tekapo ist es allerdings extrem windig, der geplante Flug mit einem
Heli zum Mount Cook und den Gletschern unmöglich. Auch ist die Sicht in den
Bergen zu schlecht. Wir wollen es morgen noch mal probieren.

Zum Trost
essen wir bei MacKenzies Rump Steak auf dem heißen Stein. Quentin schmeckt das
natürlich auch. Der Ausblick auf den See ist schon vom Restaurant aus toll, vom
Ufer aus aber noch viel besser – und das, obwohl Wolken an den Bergen hängen.

Wir checken
am Campingplatz ein und bekommen einen der letzten Plätze mit Seeblick. Auf der
gesamten Reise war kein Campingplatz so voll wie dieser hier.

Praktischerweise
liegen die örtlichen Hot Pools und eine Tubing-Anlage, wo man auf Gummireifen
den schneebedeckten Hang hinunterrutschen kann, nur rund zweihundert Meter
entfernt. Und so kommen alle auf ihre Kosten. Auch wenn der Schnee der letzte
auf dieser Höhe ist und schon seit rund vier Wochen als Piste herhalten muss,
macht es doch viel Spaß, zumal dies wieder ein passender Einsatzort für die
GoPro Kamera ist.

Nach ca.
einer halben Stunde gehen wir nach drinnen und in die rund 38 Grad warmen Hot
Pools. Quentin zeigt dort wieder eine ungeheuere Ausdauer und plantscht
bestimmt eine Stunde lang ohne Pause, krabbelt am Beckenrand entlang, zupft an
nahen Pflanzen und es scheint ihm dabei niemals kalt zu werden, auch wenn er
oft minutenlang nur bis zum Bauch im Wasser steht. Immerhin hat es draußen nur
rund 8 Grad!

Zurück am
Camper schläft Q. dann doch völlig erschöpft ein und wir brutzeln noch Burger –
bei Nieselregen und einstelligen Temperaturen.

16.9. In der
Nacht hat mal der Regen geprasselt, mal hat es wieder stark gewindet. Auf jeden
Fall ist das Wetter auch heute nicht besonders berauschend. Um 9:30 schauen wir
noch mal bei Air Safaris vorbei, werden aber auf 13:30 vertröstet.

Wir
überbrücken die Zeit zuerst mit einem Besuch der Kirche des guten Hirten, die
malerisch am See gelegen ist, und dann mit einem Ausflug zum gleich neben dem
See liegenden Mt. John, der bei gutem Wetter wohl eine unbeschreibliche 360
Grad Aussicht bietet. Uns hingegen erwartet ein Schneesturm, nachdem das
Thermometer innerhalb weniger Minuten von 7 auf 1 Grad gefallen ist.

Zurück im
Ort – es hat aufgehört zu schneeregnen und es sieht aus, als könnte es
theoretisch und mit geringer Wahrscheinlichkeit doch noch aufklären – nutzen
wir die Zeit bis 13:30 zum Packen des ersten Reiserucksacks. Schließlich bleibt
uns nur noch ein Tag bis zur Rückgabe unseres Campers. Dann die endgültige
Gewissheit, dass heute kein Flug mehr stattfinden wird. Ein wenig geknickt
setzen wir uns in Bewegung Richtung Christchurch. Aber schon nach wenigen Metern
fällt unser Blick wieder auf das Seepanorama. Im Hintergrund scheint die Sonne
auf die Berge. Wir beschließen, noch mal bei der Kirche zu halten, die Aussicht
zu genießen und ein paar Fotos mit Sonne zu machen. Dann das Gedankenspiel,
dass wir es ja doch rechtzeitig nach Christchurch zur Abgabe schaffen, wenn wir
noch eine weitere Nacht bleiben, um vielleicht doch noch fliegen zu können. Wir
sind uns schnell einig, dass wir es versuchen sollten. Also zurück zu Air
Safaris und für den nächsten Tag um 10:00 angemeldet. Jetzt heißt es Daumen
drücken.

Nun erst mal
wieder zurück zum Campingplatz, erneut einchecken und dann in den Ort zurück.
Wir spielen heute nämlich das erste Mal, seitdem wir uns kennen, Minigolf. Und
Tekapo bietet 18 Bahnen mit lokalen Mottos der MacKenzies – sehr cool!
Natürlich gewinnt der Athlet von uns beiden, während Quentin das ganze Spiel
argwöhnisch beobachtet. Nach dem Spiel noch ein kleines bisschen
Souvenirshoppen (Kiwi-Stofftier für Q., Kiwi-Schokolade für Papa) und eine
kurze Einkehr zum Tee, dann geht es zurück zum Camper. Am letzten Campingabend
gibt es Lammrippchen vom BBQ. Es regnet heute wenigstens nicht drauf. Wir
packen und putzen anschließend weiter und genießen nach getaner Arbeit noch
beim sog. Star Gazing den unglaublichen Nachthimmel mit unzähligen Sternen und
der Milchstraße. Sowas geht nur in einem Dark Sky Reserve wie hier. Vor dem
Zubettgehen zocke ich Neddi noch bei Mau Mau hab. Die Karten haben wir in den
letzten 3,5 Wochen noch nicht angefasst. Jetzt war es einfach an der Zeit.

17.9. Es ist
überwiegend bewölkt und nicht gerade vielversprechend. Aber wir halten an
unserem Plan fest, packen, putzen und sind um 9:30 bei Air Safaris. Die Piloten
erklären über Funk, dass es hier zwar nicht so toll aussieht, im Nationalpark
Mount Cook aber aufreißt. Wir sollen zum Airport kommen. Dieser ist wirklich
schnuckelig klein und gehört Air Safaris ganz allein. Ein Pilot erklärt, dass
es auf den Wetterkameras im Park echt gut aussieht und wir tatsächlich fliegen
werden – yippieh!

Letzten Endes
sind wir 9 Deutsche plus Pilot. Letzterer hat glücklicherweise nichts dagegen,
meine GoPro an der Frontscheibe zu montieren. Was die Kamera in den folgenden
rund 55 Min. aufnimmt und unsere Augen sehen, ist fantastisch. Gletscherseen
und -zungen, Geröllfelder, Eisfälle und als Highlight, nachdem wir über den
Wolken fliegen, die Gipfel von Mount Cook und anderen Bergen. Wir blicken bis
zur Westküste, die wir noch vor wenigen Tagen mit dem Camper entlanggefahren
sind, und auf den Franz Josef Glacier, bis zu dessen Zunge wir gewandert sind.

Das ist
wirklich ein krönender Abschluss unserer Reise. Annette ist überglücklich,
Quentin nach 25 Minuten eingeschlafen.

Jetzt aber
hurtig nach Christchurch. Wir müssen spätestens um 15:30 den Camper zurückgeben.
Dies gelingt uns auch und Gazza vom Shuttleservice bringt uns ins Novotel am
Cathedral Square direkt im Zentrum, besser gesagt in das, was davon noch übrig
ist. Was wir an diesem Abend sehen und dabei fühlen, ist schwer zu beschreiben.
Die Beben von Sept. 2010 und Feb. 2011 haben unvorstellbare Schäden
hinterlassen. Wo viktorianische Gebäude standen, gibt es jetzt planierte
Schotterflächen. Mitten im CBD reihen sich Geisterparkhäuser aneinander, die
nicht mehr befahren werden können. Ladenzeilen, die wegen Einsturzgefahr
gesperrt sind. Sockel, deren Statuen fehlen, weil sie herabgestürzt sind. Und
mittendrin die Cathedral, stark einsturzgefährdet und von einem Stahlgerüst
flankiert, das Schäden in der Umgebung verhindern soll, falls es tatsächlich zu
einem Einsturz kommt. Das alles erinnert uns ein wenig an Bosnien, nur dass die
Schäden nicht kriegsbedingt, sondern erdbebenbedingt sind.

Aber
irgendwie herrscht auch positive Aufbruchsstimmung. Die Mall Re:Start
besteht aus ausgebauten Schiffscontainern, die farbenfroh angestrichen sind.
Graffitis, Werbeplakate und Kunstprojekte erinnern zwar auch, betonen
aber vor allem den Wiederaufbau, mit Stichwörtern wie z.B. “chch 2.0”
oder eben dem Namen der o.g. Mall. Außerdem wird überall gebaut. Die Arbeiter
sind bis Sonnenuntergang aktiv, überall Kräne und Gerüste.

Wir
schlendern durch diese surreale Szenerie, schauen uns ein paar beschädigte Sehenswürdigkeiten
an, aber auch welche, die durch die Katastrophe erst entstanden sind, wie die
Ersatzkirche aus Pappröhren oder die 185 empty seats, die an die 185 Opfer des
Bebens von 2011 erinnern.

Unser Weg
führt uns dann zu Pomeroy’s, einem urenglischen Pub mit Restaurant. Während in
der Bar ein Jazz Jam stattfindet, genießen wir im Restaurant Pork Crackling mit
Apfel-Zimt-Mus, Bacon-Seafood-Chowder, Rinderbäckchen und Bratwürste NZ Style.
Die Bratwürste stammen aus Nelson and der Tasman Bay, wo es viele Deutsche,
u.a. einen Metzger gibt. Dem Geschmack nach sind sie von ihm. Das ganze Gericht
ist lecker, aber die Kombination mit Apfel-Relish und sautierten Zwiebeln
ungewöhnlich.

Nach diesem
tollen Abschiedsessen spazieren wir zurück ins Hotel. Auf dem Weg entdecken wir
noch die Cathedral Junction, eine kleine Mall, durch deren überdachten Innenhof
die Straßenbahn fährt.

18.9. Die
Heimreise beginnt. Wir stehen zeitig auf, packen wieder mal, und lassen uns
dann von Gazza zum Flughafen bringen. Der ist aus unserer Sicht nicht größer
als der Nürnberger, die Liste der Flüge sehr überschaubar. Mit etwas Verspätung
heben wir ab und Quentin schlummert kurz darauf in meinen Armen ein, nicht ohne
vorher mit einer der hübschen singapurischen Stewardessen anzubandeln. Da es
dieses Mal ein Tagesflug ist, schläft er nicht soviel wie auf den Flügen nach
NZ, aber er ist wieder superbrav, sitzt in einem eigenen Sitz neben uns, da
dieser frei war, und futtert alles in sich rein. Danach flitzt er fast die
gesamte Flugzeuglänge entlang durch den Gang bis zu seiner neuen
Stewardessenflamme.

Nach der
Ankunft in Singapur sind wir auch schnell im Crowne Plaza, da dieses quasi im
Flughafen eingebettet ist. Annette springt noch schnell in den Pool, Quentin
und ich genießen den Luxus unseres Zimmers.

19.9. Der
Tag beginnt mitten in der Nacht, da Quentin Jetlag-bedingt ab ca. 4:00 nicht
mehr schlafen kann. Irgendwie schaffen wir es aber, die Zeit bis zum
Luxusfrühstücksbuffet, auf das wir uns so gefreut haben, zu überbrücken. Neben
verschiedenen Leckereien darf Q. auch zum ersten Mal Vegemite probieren. Er
verzieht das Gesicht, schluckt es aber wie ein echter Aussi runter.

Der Rest des
Tages besteht aus erholsamem Rumgammeln im Zimmer, im Pool und in der Club
Lounge des Hotels, in die wir uns für die Zeit zwischen Check-out um 12:00 und
unserem Flug um 23:00 eingebucht haben. Wir verfolgen derweil die Nachrichten
über die Auszählung zum letzten Endes negativ ausgefallenen Referendum zur
Unabhängigkeit Schottlands. Und auch hier essen wir noch mal sehr lecker vom
Buffet, bevor wir aufbrechen und uns vor dem Abflug noch drei der Gärten des
Changi Airport ansehen (enchanted, orchid und butterfly garden).

20.9. Wir
schlafen alle drei sehr viel während des Fluges, auch wenn Q. nachts um 3:00
eine halbe Stunde Terror macht, bevor er erneut einschläft. Aber über 30 min
Plärren bei in Summe ca. 45h Fliegen während der gesamten Reise werden wir uns
nun wirklich nicht beschweren. Q. verschläft auch den morgendlichen Flug von
FFM nach NBG, wo uns Silvia um 8:00 abholt und nach Hause bringt. Sie hat
Brötchen, Wurst und Käse dabei und es gibt erst mal ein ordentliches Frühstück.
Wir sind wieder zu Hause.

Fazit: Vier
wunderschöne Reisewochen liegen hinter uns dreien. Wir haben viel gesehen und
erlebt, das Wetter hin und wieder verflucht, nette Menschen kennengelernt,
einen alten Freund wieder getroffen, und vor allem die gemeinsame Zeit mit
unserem voll reisetauglichen Sohn in vollen Zügen genossen.

Hongkong hat
uns sehr gut gefallen und wir haben uns ein wenig an Singapur erinnert gefühlt.

Macau war
nett, mal gesehen zu haben. Hier werden uns vor allem die Hitze und die
Selfie-Paparazzis in Erinnerung bleiben.

Neuseeland
hatte zunächst einen schweren Stand bei uns, da wir als Aussie-Fans natürlich
stets den Vergleich mit Australien gesucht haben. Das funktioniert aber nicht
und wäre vor allem NZ gegenüber unfähr. Diese beiden Länder haben zwar die ein
oder andere Gemeinsamkeit, sind in Bezug auf Landschaft, Flora und Fauna aber
grundverschieden. Sie haben beide ihre Reize und wir bereuen in keinster Weise
die Entscheidung für unser Reiseziel.

Mal sehen,
wohin es uns als nächstes treibt. Afrika würde uns schon sehr reizen, für
nächstes Jahr sympathisieren wir allerdings gerade mit Schottland. Auch eine
Tauchreise wäre mal schön. Wir werden sehen. Zu Hause versauern werden wir auf
jeden Fall nicht.