Heute habe ich das Werk von Avtovaz besucht, dem Hersteller der weltberühmten Automarke Lada und Partner von Renault-Nissan in Russland. Das könnt ihr euch nicht vorstellen! Dieses Werk ist zig Kilometer lang bzw. breit. Ich bin allein in einer einzigen Halle mehrere Kilometer gelaufen, begleitet von ratternden Kettengliedern, funkensprühenden Schweißzangen, zischenden Robotern und den 70.000 Menschen, die in diesem Werk arbeiten. Es fühlt sich an wie eine Mischung aus DDR, der Sowjetunion, wie ich sie aus Filmen kenne, Kuba und sanften kapitalistischen Einflüssen.

Auf den nicht kanalisierten Straßen staut siche das Schmelzwasser des frischen Schnees, Matschberge türmen sich am Straßenrand und die Wolga ist zugefroren. Willkommen im Realsoziakapitalismus!

Das Essen heute Abend war der Hammer: Der russische Eingeladene hat ausgewählt. Neben Eingelegtem und in Teig gebackenem gab es leckeren geräucherten Fisch, Shrimp im Teigmantel und Rindfleischeintopf. Dazu geschmeidige 1x 0,4 Bier, 5x 0,05 Wodka und 1x 0,04 Whiskey. Die Russen wissen auf jeden Fall, wie man es sich gut gehen lässt und man schlemmen kann!

Die im Foyer des Hotels auf den Sofas rumlungernden Russinnen jeden alters in Minirock und kniehohen Stiefeln werde ich geflissentlich (und eines halben schweren Herzens) ignorieren und nun bald zu Bette gehen. Zuvor muss ich aber nochmals eine Lanze brechen für unsere russichen Brüder und Schwestern: Der Ost-Nutten-Style ist hier nunmal ganz einfach gepflegtes weibliches Auftreten und russische Männer – soviel haben mir meine Gesprächspartner verraten – halten von unsren deutschen Frauen im Gegenzug auch nicht allzu viel. Sie meinen, unsere Frauen würden sich von uns deutschen Männer alleine durch Busen und Po unterscheiden, da sich männliche und weibliche Kleidung in Deutschland zu sehr ähneln. Wenn ich mich in die Rolle eines Außenstehenden versetze, kann ich verstehen, was sie meinen und ich finde, wir sollten einander leben und leben lassen.

P.S. Das Buch “In 80 Frauen um die Welt” von Thilo Mischke passt übrigens wunderbar als Reiselektüre zu einer Russlandreise wie der meinigen.